Struktur des Comenius-Instituts

Entwicklungen, Herausforderungen, Ergebnisse
Das Comenius-Institut (CI), Evangelische Arbeitsstätte für Erziehungs­wissen­schaft e.V., fördert Bildung und Erziehung aus evangelischer Verantwortung, insbesondere durch die Erarbeitung wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse, die Entwicklung von Konzepten und praktischen Lösungen für gegenwärtige Bildungs- und Erziehungsprobleme sowie die Beratung und Unterstützung von Bildungseinrichtungen.

Institutsentwicklung
Die Integrations- und Kooperationsanforderungen und -möglichkeiten auf der gesamtkirchlichen Ebene im Rahmen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) haben 2010 und 2011 zu einer Weiterentwicklung der Institutsstruktur geführt. Mit dieser neuen Struktur werden sowohl die Vielfalt der gewachsenen Aufträge als auch aktuelle und zukünftige Herausforderungen zum Ausdruck gebracht. Zudem wird die Organisation der Aufgabenbearbeitung des Instituts auch im Blick auf Personal und Ressourcen erkennbar.
Die Aufbaulogik bezieht sich auf Aufgabengebiete, die für die Wahrnehmung einer evangelischen Bildungsverantwortung von Bedeutung sind, und orien­tiert sich an folgenden Prinzipien: Bildungs- und Gestaltungsbereiche, Quer­schnittsaufgaben, Dienstleistungen, Themen.

Link zum Organigramm

Im Arbeitsbereich I Bildung in Kirche und Gesellschaft nimmt das CI vor allem Aufgaben im Bereich der non-formalen Bildung wahr. Die Unterscheidung der beiden Aufgabenbereiche Bildung im Kindes- und Jugendalter sowie Erwachse­n­enbildung orientiert sich am Prinzip der Bildung im Lebenslauf. Dem erst genannten Aufgabenbereich wurde der Schwerpunkt Kindergottesdienst/Kirche mit Kindern zugeordnet. Diesem Aufgabengebiet widmen sich das CI und der Gesamtverband Kindergottesdienst in der EKD e.V. seit September 2010 gemeinsam. Mit dem Aufgabenbereich Erwachsenenbildung wird ein Teil der Aufgaben der Bundesgeschäftsstelle der Deutschen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung e.V. (DEAE) wahrgenommen. Auch dem damit verbun­denen Arbeitsprogramm widmen sich DEAE und CI in Kooperation. Aufgabenstellungen, die die Arbeitsfelder am Bildungsort Gemeinde übergreifen, und insbesondere damit zusammenhängende Professionalisierungsfragen werden im Aufgabenbereich Gemeindepädagogik bearbeitet. Im Rahmen des Auf­gabenbereiches Gender und Bildung, Frauenstudien und Frauenbildung werden zum einen Themen aufgegriffen, die bildungsbereichsübergreifend und bereichsspezifisch schon immer vom CI bearbeitet wurden. Im Aufgabenbereich Online-Bildung, Fernstudium werden Lernarrangements und -formate reflektiert, entwickelt und zur Verfügung gestellt, die sowohl die lebensweltliche als auch die bildungs­bezogene Bedeutung der heutigen Informations- und Kommunikationstechnologien aufgreifen.

Im Arbeitsbereich II Bildung in der Schule setzt das CI Schwerpunkte im Bereich der formalen Bildung und zwar vorrangig in der Schule. Zu ihm gehören die Aufgabenbereiche Schulentwicklung mit der Projektstelle Globales Lernen in der Schule, Lehrerbildung sowie Evangelische Schule, dem die Wissenschaftliche Arbeitsstelle Evangelische Schule der EKD und der Barbara-Schadeberg-Stiftung am CI zugeordnet ist. Der Aufgabenbereich Religions­unterricht, Religionspädagogik widmet sich bildungstheoretischen, didaktischen und organisatorischen Grundlagen des Faches sowie entsprechenden Aus-, Fort- und Weiterbildungsfragen. Mit dem Aufgabenbereich Evangelische Bildungsverantwortung in Europa wird der zunehmenden Internationalisierung und Europäisierung von Bildung Rechung getragen, dem je unterschiedlichen Stellenwert von Religion und Religionsgemeinschaften in verschiedenen Staaten bzw. Staatengemeinschaften sowie der (Neu-)Entdeckung von Religion durch die europäischen politischen Institutionen.

Im Bereich Zentrale Dienste ist der Aufgabenbereich Information-Doku­men­ta­tion-Bib­liothek angesiedelt. Neben der inhaltlichen und formalen Erfassung von Print- und Online-Publikationen werden zahlreiche Dienstleistungen für Bibliotheken in Landeskirchen und Universitäten sowie Verbundlösungen zur Verfügung gestellt. Der Evangelische Bildungsserver ermöglicht Zugänge zu Einrichtungen, Maßnahmen und Themen im Bereich evangelischen Bildungs­handelns. Durch Verbands-, Gremien- und Projektarbeit werden Verbände und andere Orga­nisa­tionen im Bereich evangelischen Bildungs­handelns bei der Erfüllung ihrer Auf­gaben unterstützt, die auch durch den Auftrag des CI abgedeckt sind. Der Auf­gaben­bereich Verwaltung/Sekretariat rundet die Instituts­struktur im Blick auf organisatorische Einheiten ab.

Ein zentrales und bereichsübergreifendes Projekt des CI ist die Evangelische Bildungsberichterstattung. Das Projekt nimmt die grundlegende Herausforderung an, die Reflexivität im evangelischen Bildungshandeln zu erhöhen. Datenbasierte Berichte sollen die Steuerung und Weiterentwicklung von bildungsbezogenen evangelischen Einrichtungen verbessern, zum Erkennen von Problemlagen und Potenzialen beitragen, die Transparenz nach innen und nach außen erhöhen, evangelisches Bildungshandeln durch den Aufweis von Reichweiten und Wirksamkeiten legitimieren helfen und Grundlagen für weitere Forschungen und Recherchen liefern.

In der ersten Projektphase von 2009 bis 2012 wurden Forschungsberichte für die Bereiche Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder, Evangelischer Religionsunterricht und Schulen in evangelischer Trägerschaft erarbeitet. Der Bericht über Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder ist mittlerweile veröffentlicht (Link zum Bookshop), der Forschungsbericht über den Religionsunterricht ist für den Herbst 2014 zu erwarten. Demgegenüber hat die Pilotstudie zu Schulen in evangelischer Trägerschaft ergeben, dass die Datenlage in diesem Bereich so lückenhaft ist, dass mit dem Aufbau einer eigenen Schulstatistik durch das Kirchenamt der EKD und die Wissenschaftliche Arbeitsstelle Evangelische Schule begonnen wurde. Hier konnte die erste Vollerhebung Ende 2013/Anfang 2014 durchgeführt werden (Link zur Homepage).

In der geplanten zweiten Projektphase von 2014 bis 2016 soll zum einen die Berichterstattung über Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder fortgesetzt werden. Zum anderen sollen mit dem Kindergottesdienst und der Evangelischen Erwachsenenbildung zwei Bereiche untersucht werden, die auf gesamtkirchlicher Ebene bislang nur sehr begrenzt berücksichtigt wurden, zu denen aber bereits einige Vorarbeiten aus der Machbarkeitsstudie des CI von 2008 und der ersten Projektphase vorliegen. Evangelische Schulen und Evangelischer Religionsunterricht werden voraussichtlich wieder in einer dritten Projektphase von 2015 bis 2017 berücksichtigt. (Weitere Informationen).


In den letzten Jahren wurde das Themenfeld Bildungsgerechtigkeit insbesondere hinsichtlich der Fragen nach gerechter Beteiligung/Teilhabe an Bildung, Be­fähigung, Chancenverteilung und Anerkennung in den Blick genommen. In erziehungswissenschaftlicher Perspektive standen dabei Fragen im Vordergrund, die mit den Kategorien Heterogenität, Pluralität, Diversität, Differenz oder Vielfalt bearbeitet wurden. Gesellschafts- und bildungspolitisch fokussierten sich Aufmerksamkeit und Handlungsnotwendigkeiten auf Inklusion bzw. inklusive Bildung. Für den Bereich Schule sind die allgemeinpädagogischen Fragen im Blick auf Schulstruktur, Schulentwicklung, Schulorganisation und Didaktik im Zusammenhang mit den Bemühungen um einen gemeinsamen Unterricht und die Förderung aller Kinder und Jugendlicher zu sehen. Für den Bereich der Tageseinrichtungen für Kinder stellen sich diese Fragen mittlerweile nahezu analog. Im Bereich der Bildung von Erwachsenen stellt sich die Sachlage – wie fast im gesamten non-formalen Bildungsbereich – anders dar, nicht zuletzt aufgrund der in der Regel größeren Freiwilligkeit und Selbstbestimmung. Allerdings müssen auch hier die Zwänge zum Erwerb von Qualifikationen und Berechtigungen im Zusammenhang des Erhalts/Erwerbs von employability und des „lebenslangen Lernens“ zunehmend ernst genommen werden.
Dieses bereichsübergreifende SchwerpunktthemaBildungsgerechtigkeit und Inklusion“ wurde und wird durch vielfältige Aktivitäten des CI aufgegriffen. Unter anderem konnte das CI die Breite der Thematik für das Kindes- und Jugendalter durch die Mitwirkung bei der Vorbereitung der EKD-Synode 2010 entfalten. Auf andere Art und Weise ist die Zugänglichkeit der vom CI verantworteten Lern- und Entwicklungsarrangements oder Bildungsgelegenheiten wie bei der religionspädagogischen Internetplattform oder in den Kursen des Fernstudiums ein zu berücksichtigendes Thema. Das Forum für Heil- und Religionspädagogik bearbeitet die Frage nach Integration/Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderungen kontinuierlich. Mit dem Lesebuch zur Inklusion wurden die Impulse zum Umgang mit Behinderungen in den Zusammenhang einer allgemeinpädagogischen Perspektive von Diversität gestellt. In Konzentration auf eine genderorientierte und frauenspezifische sowie (praktisch-)theologische Perspektive werden im Frauenstudien- und -bildungszentrum Vielfalt und Differenz aufgegriffen.
Durch die Aufgabenbereiche des CI zieht sich eine Reihe weiterer thematischer Linien, in denen übergreifende Aufgabenstellungen erkennbar werden:
Die Herausforderungen des Globalen Lernens und der Bildung für Nachhaltige Entwicklung sind für drei Handlungsfelder verstärkt bearbeitet worden: im Blick auf die Ausbildungsgänge und die Aktivitäten von evangelischen Hochschulen, auf das Fernstudium Nachhaltigkeit in kirchlichen Lernarrangements und auf die Entwicklung einer Globalen Schule.
Europäische und internationale Bezüge werden im Blick auf Forschungsfragen und Entwicklungsnotwendigkeiten sowohl im Aufgabenbereich Evangelische Bildungsverantwortung in Europa, dort schwerpunktmäßig zu Religion im Kontext einer Europäisierung von Bildung, als auch – je nach Arbeitszielen – in den anderen Aufgabenbereichen wahrgenommen.

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